Koriander ist das Gewürz mit der größten Fanbase – und der lautesten Gegnerschaft.
Kaum ein Gewürz polarisiert so konsequent wie er. Entweder liebt man ihn, oder man findet ihn „wie Seife". Kein Dazwischen, keine Grauzone. Willkommen beim kontroversesten Gast in meinem Gewürzregal. 😄
Warum schmeckt Koriander für manche nach Seife?
Das ist übrigens keine Einbildung – das steckt wirklich in den Genen. Menschen mit einer bestimmten Genvariante nehmen die Aldehyde in Koriander als seifig wahr. Das heißt: Wer ihn nicht mag, liegt nicht falsch. Der riecht einfach wirklich was anderes.
Für alle anderen: eine frische, leicht zitronige, warm-würzige Tiefe. Unverwechselbar.
Ganz oder gemahlen – das ist hier die Frage
Beim Koriander gibt es zwei völlig verschiedene Welten:
Koriandersamen ganz – das sind diese runden, hellen Kügelchen, die nach frischem Aufbrechen so herrlich zitrusartig-würzig duften. Ihr Aroma ist sanfter, komplexer, aromatischer. Kurz in der Pfanne geröstet und dann gemörsert – das ist eine andere Liga.
Koriander gemahlen – praktisch, schnell, alltagstauglich. Verliert das Aroma aber deutlich schneller. Wenn der gemahlene Koriander im Regal schon länger steht und nach nichts mehr riecht – dann ist er schlicht nicht mehr viel wert.
Meine Empfehlung: ganze Samen kaufen, selbst mahlen wenn man's braucht. Der Unterschied ist beträchtlich.
Kurz anrösten, immer
Wie bei vielen Gewürzsamen gilt auch hier: Ein paar Sekunden in der trockenen Pfanne machen einen riesigen Unterschied. Die Körner werden nussiger, runder, weniger herb. Sobald es duftet – raus damit, nicht länger. Sonst kippt das Ganze ins Bittere, und das will niemand.
Woher kommt Koriander?
Koriander ist eine der ältesten Gewürzpflanzen der Welt. Belege für seinen Anbau gibt es aus dem alten Ägypten, Griechenland und dem Vorderen Orient – vor über 3.000 Jahren. Er war damals wertvoll genug, um in Pharaonengräbern gefunden zu werden.
Heute wächst er in Südasien, Nordafrika, dem Mittelmeerraum und Mittelamerika. Ein echtes Weltgewürz.
Und was ist mit dem Kraut?
Ja, die Pflanze liefert beides: die Samen als Gewürz – und das Kraut (die Blätter) als Kräuter-Zutat, bekannt aus der asiatischen und lateinamerikanischen Küche. Die Blätter schmecken übrigens komplett anders als die Samen. Fast wie zwei verschiedene Pflanzen.
Wo landet Koriander in der Küche?
Koriandersamen und -pulver sind echte Allrounder:
- in Currys und Gewürzmischungen – fast überall dabei
- bei Marinaden für Fleisch und Gemüse
- in Linseneintöpfen und Hummus
- im Brot, besonders Sauerteig- und Fladenbrot
- in Chutneys und Saucen
- sogar in manchen Weihnachtsgebäcken und Lebkuchen
Und ja – auch in der österreichischen Küche findet er sich: Gedünstetes Gemüse, Linsen, Kürbissuppe – wer ihn sparsam und überlegt einsetzt, erlebt eine angenehme Überraschung.
Koriander als Tee?
Tatsächlich, ja. Ganze angestoßene Samen mit heißem Wasser übergossen ergeben einen aromatischen, leicht zitronigen Tee. Traditionell gilt er als verdauungsfördernd – was ihn nach üppigeren Mahlzeiten zum durchaus charmanten Abschluss macht.
Persönlich gesagt …
Ich gehöre zum Team „Koriander, ja bitte" – aber ich verstehe die andere Seite absolut. Wenn du Koriander noch nicht wirklich regelmäßig verwendest hier mein kleiner Tipp aus der Praxis, damit er nicht in deiner "Speis" verstaubt: Stell dir das Gewürzglas dorthin, wo du es sehen kannst - so vergisst du nicht Koriander einfach mal zu probieren und deinem Gericht eine feine alternative Note zu geben.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob du ihn magst: Probier frisch gerösteten Samen. Einmal drücken, riechen, kosten. Dann weißt du's.