6 April 2026

Kren - was tun mit der übrigen Wurzel nach Ostern?

Heute ist Ostermontag.

Irgendwo in Kärnten – und nicht nur dort – steht gerade ein Teller mit dem klassischen Osteressen auf dem Tisch. Schinken, Eierkren, Ostereier, Würstel vielleicht ein bisschen Verhackertes. Und daneben liegt sie: die Krenwurzel. Frisch gerieben, scharf, unverkennbar.

Und dann kommt der Moment, den viele kennen: Man hat mehr gerieben als gebraucht. Oder eine ganze Wurzel gekauft, die Hälfte verwendet – und jetzt schaut einen der Rest erwartungsvoll an.

Was jetzt?


Kren ist zu schade zum Wegwerfen

Kren gehört zu Ostern wie die Ostereier selbst. In Kärnten und der ganzen Steiermark ist frisch geriebener Kren zum Osterfleisch schlicht gesetzt – kein Diskutieren. 😄

Aber Krenwurzeln sind robust, würzig und vielseitig. Wer weiß, was man damit noch anstellen kann, wirft garantiert nichts weg.


Tipp einer Kundin – und der ist Gold wert

Eine meiner Kundinnen hat mir einen Tipp gegeben, den ich seither nicht mehr vergessen habe:

Übrigen Kren einfach fein aufreiben, mit Zitronensaft, Salz und Sauerrahm verrühren – fertig ist ein würziger Krenrahm, der sich im Schraubglas im Kühlschrank erfahrungsgemäß 2–3 Wochen hält.

Klingt simpel, ist es auch. Und der Verwendungsmöglichkeiten sind viele:

  • als Dip zu Fleisch, Wurst und Selchfleisch
  • auf Brot oder Schwarzbrot
  • zu Erdäpfeln – warm oder kalt
  • als würziger Klecks zur Suppe
  • zu Roten Rüben
  • oder einfach so, weil er so gut schmeckt 😄

Das Verhältnis ist Geschmackssache – wer's schärfer mag, nimmt mehr Kren, wer es milder will, mehr Sauerrahm. Der Zitronensaft hält die Farbe schön hell und gibt eine frische Note dazu.


Kren einfrieren – auch eine Option

Wer den Kren nicht sofort verwenden will: Einfach roh reiben und portionsweise einfrieren. Er verliert dabei etwas von seiner Schärfe, bleibt aber gut verwendbar. Praktisch für Saucen, Suppen oder Aufstriche über das Jahr hinweg.

Alternativ: Die ganze ungeschälte Wurzel hält sich im Kühlschrank, in ein feuchtes Tuch gewickelt, noch einige Wochen.


Woher kommt Kren eigentlich?

Kren – auf Hochdeutsch Meerrettich – stammt ursprünglich aus Osteuropa und Westasien. Schon im Mittelalter war er in Mitteleuropa weit verbreitet, sowohl als Gewürz als auch als Heilpflanze. Die Steiermark und das südliche Österreich haben eine besondere Kren-Tradition – steirischer Kren hat sogar eine geschützte geografische Angabe.

Der Name „Meerrettich" hat übrigens nichts mit dem Meer zu tun – er leitet sich wahrscheinlich vom slawischen mren oder kren ab. In Österreich sagt man eh einfach Kren – und das ist gut so. 😄


Was macht Kren so besonders?

Die Schärfe kommt von Senfölen – genauer gesagt von Allylisothiocyanat, das beim Reiben der Wurzel freigesetzt wird. Genau diese Verbindungen machen Kren nicht nur scharf, sondern auch interessant für die Hausapotheke.

Traditionell gilt Kren als:

  • antibakteriell – die Senföle haben eine nachweislich keimhemmende Wirkung
  • schleimlösend – bei Erkältungen und Atemwegsbeschwerden seit Jahrhunderten eingesetzt
  • durchblutungsfördernd – äußerlich angewendet wärmt er und regt die Durchblutung an
  • verdauungsfördernd – kein Zufall, dass er traditionell zu fettem Fleisch gegessen wird
  • vitaminreich – frischer Kren enthält mehr Vitamin C als so manche Zitrusfrucht

Wie immer: Das sind traditionelle Erfahrungswerte aus der Volksmedizin – keine Heilversprechen. Aber dass Kren zum Osteressen nicht nur gut schmeckt, sondern auch verdauungstechnisch Sinn macht – das ist kein Zufall. 😉


Kren-Ölauszug – für die Hausapotheke

Wer tiefer einsteigen möchte: Aus Kren lässt sich auch ein Ölauszug herstellen – äußerlich angewendet als wärmendes Einreibemittel, traditionell bei Verspannungen, Muskelschmerzen oder Erkältungen.

So geht's:

Frischen Kren schälen und fein raspeln. Gut auf Küchenpapier ausbreiten und einige Stunden antrocknen lassen – das ist wichtig, damit kein Restwasser ins Öl kommt. Dann in ein sauberes Schraubglas füllen und mit einem milden Öl übergießen – Sonnenblumen- oder Rapsöl eignen sich gut, da sie den Kreneigengeschmack nicht überdecken.

Das Glas verschlossen an einem kühlen, dunklen Ort 2–3 Wochen ziehen lassen, täglich schütteln. Dann durch ein feines Sieb oder Mulltuch abseihen – gut ausdrücken – und in ein dunkles Fläschchen füllen.

Äußerliche Anwendung:

Sparsam auf die betroffene Stelle einmassieren. Kren ist intensiv – nicht zu lange einwirken lassen und bei empfindlicher Haut vorher an einer kleinen Stelle testen. Auf Schleimhäute und Wunden gehört er nicht.

Innerliche Anwendung:

Einige Tropfen in ein Glas Wasser oder Saft – traditionell bei Erkältungen oder als allgemeines Stärkungsmittel. Vorsicht: Kren ist scharf und intensiv, mit der Dosierung langsam herantasten.

Wichtig: Wer empfindlichen Magen hat oder Medikamente nimmt, spricht das lieber vorher mit einem Arzt ab.


Kren in der Küche – nicht nur zu Ostern

Kren ist ein echtes Alltagsgewürz, das man ruhig öfter einsetzen darf:

  • zur klassischen Rindsuppe – ein Klecks frisch geriebener Kren obendrauf
  • in Aufstrichen – Topfen, Frischkäse oder Butter mit Kren
  • zu Fisch – Forelle, Lachs, Räucherfisch: Kren passt hervorragend
  • in Salatdressings – ein Hauch Kren gibt dem Dressing Charakter
  • zu Roten Rüben – ein Klassiker, der sich nicht ohne Grund hält
  • in Saucen – Krensauce zu Tafelspitz ist ein Wiener Klassiker, der längst ganz Österreich gehört


Das möchte ich dir heute mitgeben:

Kren ist nicht nur ein Ostergewürz. Er ist ein kraftvolles, vielseitiges Küchenkraut mit langer Tradition – in der Küche und in der Hausapotheke. Und wenn heute nach dem Osteressen noch eine halbe Wurzel übrig ist: Nicht wegwerfen. Aufreiben, mit Sauerrahm und Zitronensaft verrühren, ins Schraubglas – und in zwei Wochen noch genauso gut.

Frohe Ostern! 🐣