Kreuzkümmel ist so ein Gewürz, das viele kennen – und trotzdem regelmäßig für Stirnrunzeln sorgt.
„Ist das jetzt Kümmel oder nicht?“ – Nein. Und genau da fängt die Geschichte schon an.
Kreuzkümmel ≠ Kümmel
Auch wenn die Samen auf den ersten Blick ähnlich aussehen:
Kreuzkümmel (Cumin) und unser heimischer Kümmel sind zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten.
- Kümmel: mild, süßlich, klassisch österreichisch
- Kreuzkümmel: warm, erdig, leicht bitter, intensiv würzig
Ich sag gern: Kümmel ist der brave Sonntagsbraten-Begleiter – Kreuzkümmel eher der Weltenbummler mit Charakter.
Wie schmeckt Kreuzkümmel eigentlich?
Das Geschmacksbild ist warm & erdig, leicht nussig, dezent bitter mit einer Tiefe, die man sofort erkennt.
Ein Hauch Orient, ein bisschen Rauchigkeit – und definitiv kein Gewürz, das man „nebenbei“ einsetzt. Kreuzkümmel meldet sich zu Wort 😉
Woher kommt Kreuzkümmel?
Seine Wurzeln liegen im östlichen Mittelmeerraum, Vorderasien und Indien. Schon im alten Ägypten wurde er verwendet – sowohl in der Küche als auch in Ritualen. Also ja: Das Gewürz hat ein ordentliches historisches Ego.
Und der Name?
Der deutsche Name „Kreuzkümmel“ kommt von der kreuzartigen Struktur der Samenrillen. International kennt man ihn meist als Cumin – was sich vom lateinischen cuminum ableitet.
Verwendung in der Küche
Kreuzkümmel ist ein Fixstarter in:
- orientalischer & indischer Küche
- mexikanischen Gerichten
- Falafel, Hummus, Linsen, Kichererbsen
- Curry- & Gewürzmischungen
👉 Mein persönlicher Tipp:
Ganz lassen und frisch mörsern. Der Unterschied zu gemahlenem Cumin aus der Dose ist wie frisch gemahlener Kaffee vs. Pulver aus dem Packerl.
Kreuzkümmel als fixer Bestandteil von Curry
Cumin ist kein „Kann-man-reinmachen“-Gewürz im Curry, sondern ein tragender Bestandteil. Curry ist ja keine einzelne Pflanze, sondern eine Gewürzmischung – und Kreuzkümmel liefert darin diese warme, erdige Tiefe, die alles zusammenhält. Ohne ihn schmecken viele Currys flacher, irgendwie leer. Man merkt es sofort, auch wenn man’s nicht bewusst benennen kann.
Traditionell wird Kreuzkümmel dafür oft kurz angeröstet, noch bevor andere Gewürze dazukommen. Das ist kein Küchentrick, sondern reine Aromaarbeit: Die Samen werden nussiger, runder, weniger spitz. Genau dieses Röstaroma macht Curry so „wohlig“ und voll.
Kurz angeröstet – kleiner Schritt, große Wirkung
Egal ob fürs Curry oder für andere Gerichte: Kreuzkümmel profitiert enorm vom Anrösten. Ein paar Sekunden in der trockenen Pfanne reichen. Sobald er zu duften beginnt, ist er bereit. Zu lange sollte man ihn nicht quälen – sonst kippt er ins Bittere. Frisch angeröstet und gemörsert ist er geschmacklich eine ganz andere Liga als fertig gemahlenes Pulver.
Und ja – sogar im Brot
Kreuzkümmel im Brot klingt für viele erst mal ungewohnt, funktioniert aber überraschend gut. Vor allem in Sauerteig-, Dinkel- oder Roggenbroten bringt er eine warme, leicht nussige Note hinein. Wichtig ist Zurückhaltung: nicht fein gemahlen, sondern ganz oder nur grob angestoßen, und wirklich sparsam dosiert. Im Ofen verliert er seine Schärfe und wird angenehm rund – kein orientalisches Brot, sondern eines mit mehr Tiefe und Geschmack.
Kreuzkümmel in der österreichischen Küche?
Eher selten – aber genau das macht ihn spannend.
Er passt überraschend gut:
- zu Ofengemüse
- in Linseneintöpfe
- in kleine Mengen zu Krautgerichten
- zu Erdäpfeln, wenn man sich was traut 😉
Nicht klassisch, aber richtig gut, wenn man’s nicht übertreibt.
Kreuzkümmel als Tee?
Ja, tatsächlich.
Ein paar angestoßene Samen mit heißem Wasser übergießen – ein sehr aromatischer, würziger Tee, der traditionell gern nach schweren Mahlzeiten getrunken wird. Nicht jedermanns Sache, aber definitiv einen Versuch wert.
Persönlich gesagt …
Ich geb’s ehrlich zu:
Beim ersten Mal dachte ich: „Uff. Ganz schön intensiv.“ Heute gehört Kreuzkümmel für mich zu den Gewürzen, die ich bewusst und mit Respekt einsetze. Nicht für alles – aber wenn, dann genau richtig.